(siehe Ende Band 27)
Ich weiß nicht, was soll es bedeuten

Ich weiß nicht, was soll es bedeuten, dass ich so traurig bin.
Ein Märchen aus alten Zeiten, das kommt mir nicht aus dem Sinn.
Die Luft ist kühl und es dunkelt, und ruhig fließt der Rhein;
der Gipfel des Berges funkelt im Abendsonnenschein.

Die schönste Jungfrau, die sitzet dort oben wunderbar,
ihr goldnes Geschmeide blitzet, sie kämmt ihr goldenes Haar.
Sie kämmt es mit goldenem Kamme und singt ein Lied dabei;
das hat eine wundersame, gewalt´ge Melodei.

Den Schiffer im kleinen Schiffe, ergreift es mit wildem Weh;
er schaut nicht die Felsenriffe, er schaut nur hinauf in die Höh.
Ich glaube, die Wellen verschlingen am Ende Schiffer und Kahn;
und das hat mit ihrem Singen die Lorelei getan.

Die Lorelei-Sage wurde von Clemens Brentano frei erfunden. 1799 dichtete er dazu eine Ballade und nahm diese drei Jahre später in seinen Roman "Godwi" auf. 1823 verdichtete dann Heinrich Heine diesen Balladenstoff zu nur drei Doppelstrophen, die von unzähligen Komponisten vertont wurden.
Am bekanntesten wurde die Melodie des Tübinger Chorleiters Friedrich Silcher, der sie 1837/39 in seiner Sammlung "Volkslieder" veröffentlichte - und dies zu Recht.
Denn tatsächlich wurde die "Lorelei" sehr bald zu einem solchen: Sie gilt - vor allem in den angelsächsischen Länder - als "das" deutsche Volkslied.

 

Kein schöner Land

Kein schöner Land in dieser Zeit,
als hier das unsre weit und breit,
||: wo wir uns finden wohl unter Linden zur Abendzeit :||

Da haben wir so manche Stund´
gesessen da in froher Rund
||: und taten singen, die Lieder klingen im Eichengrund :||

Dass wir uns hier in diesem Tal
noch treffen so viel hundertmal,
||: Gott mag es schenken, Gott mag es lenken, er hat die Gnad :||

Jetzt Brüder, eine gute Nacht!
Der Herr im hohen Himmel wacht,
||: in seiner Güten uns zu behüten ist er bedacht :||

 

Im Frühtau zu Berge wir gehn

Im Frühtau zu Berge wir gehn, fallera,
es grünen die Wälder, die Höhn, fallera.
||: Wir wandern ohne Sorgen, singen in den Morgen,
noch eh im Tale die Hähne krähn :||

Ihr alten und hochweisen Leut, fallera,
ihr denkt wohl, wir währen nicht gescheit? fallera.
||: Wer sollte aber singen, wenn wir schon Grillen fingen
in dieser herrlichen Frühlingszeit? :||

Werft ab alle Sorge und Qual, fallera,
und wandert mit uns aus dem Tal! fallera.
||: Wir sind hinaus gegangen, den Sonnenschein zu fangen:
kommt mit und versucht es doch auch einmal! :||